Staatliche SchulberatungGesünder durch positive Emotionen

Bild: Junge Frau, die lacht.
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Emotionen – allgegenwärtig in der Schule und im Leben

Der Alltag von Schülerinnen und Schülern ist geprägt von vielen Emotionen: Freude über eine gute Note, Enttäuschung über eine sportliche Niederlage, Ärger über eine Lehrkraft oder Klassenkameradin oder Furcht vor einer Leistungsabfrage. Aber wir sind unseren Emotionen nicht hilflos ausgeliefert. In diesem Artikel geht es darum, mehr Bewusstsein für unsere Emotionen zu entwickeln und vermehrt positive Emotionen aufzubauen, denn – Spoiler-Alert – positive Emotionen sind wichtige Voraussetzungen für körperliche und geistige Gesundheit.

Universelle Basisemotionen

Der Psychologe Paul Ekman hat die Gesichtsausdrücke von Menschen in unterschiedlichen, zum Teil auch abgelegenen Regionen wie Papua-Neuguinea und Sumatra, untersucht. Ihn trieb die Frage an, ob es sogenannte „Basisemotionen“ gibt, die unabhängig von kultureller Sozialisation und Erziehung Gültigkeit besitzen.

Das bahnbrechende Ergebnis seiner Forschung: Bereits Kinder im Alter von vier bis sechs Monaten können Emotionen erkennen und reagieren entsprechend darauf. Ekman konnte sieben kulturell unabhängige Emotionen feststellen: Freude, Überraschung, Ärger, Ekel, Furcht, Trauer und Verachtung.

Ekman schlussfolgerte somit, dass unsere grundlegenden Emotionen angeboren sind.

Emotionen aus evolutionsbiologischer Sicht

Der Mensch strebt nach angenehmen Emotionen und versucht diese möglichst oft zu erleben. Unangenehme Gefühle wie Ärger, Ekel, Furcht, Trauer oder Verachtung hingegen möchte er vermeiden, da diese oft unser Selbstbild in Frage stellen oder mit Gefahr einhergehen.

Jede Emotion hat jedoch aus evolutionsbiologischer Sicht einen Nutzen und damit eine Daseinsberechtigung. So bewahrt das unangenehme Gefühl des Ekels den Steinzeitmenschen davor, die giftige Beere zu essen. Auch bezogen auf die heutige Zeit ist dieser Nutzen meist, aber nicht immer, vorhanden geblieben. So kann zum Beispiel der Ärger der Schülerinnen und Schüler über eine schlechte Note eine Veränderung seines Lernverhaltens herbeiführen.

Das Wort Emotion kreist um den lateinischen Wortstamm „movere“ (bewegen). Negative, aber auch positive Emotionen sollen entsprechend Verhaltensänderungen hervorrufen oder dazu bewegen. Bei positiven Emotionen geht es um eine Ausweitung der gezeigten, offensichtlich erfolgversprechenden Verhaltensweisen. Bei negativen Emotionen hingegen wird eine Verringerung oder aber Veränderung der entsprechenden Verhaltensweisen angestrebt.

Die drei goldenen Regeln

Der amerikanische Psychologe Steve de Shazer hat gemeinsam mit seiner Ehefrau Insoo Kim Berg die lösungsorientierte Kurzzeittherapie entwickelt. Das Herzstück dieser sehr erfolgreichen Therapieform stellen die drei goldenen Regeln dar. Es geht um die Ausweitung, Anpassung oder Aufgabe von Verhaltensweisen, um zu mehr positiven Emotionen zu gelangen.

1. Repariere nicht, was nicht kaputt ist.

Mach dir deine Stärken bewusst – besonders in Krisenzeiten. Sie sind eine wichtige Quelle für Selbstvertrauen und Stabilität. Hilfreich kann es dabei sein, gezielt nach Ausnahmen von Problemen zu suchen.

Eine Schülerin, die Angst vor Referaten hat, könnte sich beispielsweise fragen, in welchen Situationen es ihr dennoch gelingt, vor anderen frei zu sprechen. Vielleicht fühlt sie sich in ihrem Lieblingsfach sicherer oder erlebt bei einer Vereinsaktivität am Wochenende, dass Präsentieren ihr durchaus gelingt.

Die erste Regel besteht also darin, erfolgreiche Bewältigungsstrategien – sogenannte „Ressourcen“ – zu erkennen und bewusst auszubauen. Sie bildet damit die Grundlage für die zweite goldene Regel.

2. Finde heraus, was gut funktioniert – und mache mehr davon.

Im Hinblick auf positive Emotionen bedeutet diese Regel: Alles, was sich bewährt und ein gutes Gefühl auslöst, sollte bewusst wiederholt und ausgebaut werden.

Wenn ein vertrauensvolles Treffen mit einem guten Freund ein Gefühl von Geborgenheit hinterlässt, lohnt es sich, dieses Erleben wertzuschätzen. Es kann sinnvoll sein, dem Freund noch am Ende des Treffens dankbar zurückzumelden, wie gut die gemeinsame Zeit getan hat – und direkt einen neuen Termin zu vereinbaren.

So werden positive Erfahrungen nicht dem Zufall überlassen, sondern aktiv gefördert.

3. Wenn etwas nicht funktioniert, höre auf damit – und probiere einen anderen Weg.

Negative Emotionen können sehr schmerzhaft sein und am Selbstwertgefühl rütteln. Nach einem Misserfolg stellt sich daher die Frage, wie man sein Verhalten anpassen sollte. Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten: Man intensiviert das bisherige Vorgehen – etwa indem man für den nächsten Test mehr Zeit ins Lernen investiert. Oder man verändert die Herangehensweise und probiert neue Lernstrategien aus.

Gerade in Stresssituationen neigen wir jedoch dazu, alte Muster unreflektiert zu wiederholen – selbst dann, wenn sie sich als wenig hilfreich erwiesen haben. Die dritte goldene Regel lädt deshalb dazu ein, Gewohntes bewusst zu hinterfragen, hinderliche Strategien loszulassen und offen für neue Lösungswege zu sein.

Embodiment: Die Wechselwirkung von Körper und Geist

Positive Emotionen tragen dazu bei, dass wir uns sowohl seelisch als auch körperlich wohler fühlen. Umgekehrt können langanhaltende negative Gefühle unsere Gesundheit belasten. Die Folgen zeigen sich nicht nur psychisch, sondern auch körperlich – etwa in Form von Bauch- und Verdauungsbeschwerden, Kopfschmerzen oder Verspannungen im Nacken und Rücken. Ebenso können Schlafprobleme, Konzentrationsschwierigkeiten, Leistungsabfall oder mangelnde Energie für Bewegung und gesunde Ernährung auftreten.

Häufig wird zwischen körperlicher (physischer) und geistiger (psychischer) Gesundheit unterschieden. Doch diese Trennung greift zu kurz. Wer annimmt, dass unsere seelische Verfassung keinen Einfluss auf den Körper hat, irrt. Genauso verkürzt ist die Vorstellung, jedes körperliche Leiden habe ausschließlich körperliche Ursachen. Körper und Geist stehen in einer engen, wechselseitigen Beziehung.

Umgang mit negativen Emotionen

Wer durch den Aufbau positiver Emotionen seine Gesundheit stärken möchte, sollte daraus nicht den Schluss ziehen, unangenehme Gefühle grundsätzlich zu unterdrücken. Im Gegenteil: Es lohnt sich, sich mit ihnen bewusst auseinanderzusetzen.

Bereits um 1900 erkannte der Psychologe Sigmund Freud, dass negative Emotionen eine starke innere Energie besitzen. Sie drängen ins Bewusstsein – ob wir es wollen oder nicht. Wenn wir ihnen Raum geben und sie ernst nehmen, ist das langfristig der gesündere Weg für Körper und Geist. Hilfreich ist es, sich zu fragen, auf welches berechtigte Bedürfnis eine Emotion hinweist. Anschließend können wir unser Verhalten so anpassen, dass wir diesem inneren Anliegen angemessen begegnen. Ein Beispiel: Wer Angst vor einem Arztbesuch verspürt, kann dieser Emotion konstruktiv begegnen, indem der Termin bewusst und frühzeitig wahrgenommen wird. Im besten Fall zeigt sich dabei, dass gesundheitlich alles in Ordnung ist – und die Angst verliert ihre Macht.

Ein achtsamer Umgang mit den eigenen Emotionen ist kein Allheilmittel. Doch er trägt wesentlich dazu bei, langfristig seelisch und körperlich gesund zu bleiben.

Klaus Baumann und Jürgen Peschl

Klaus Baumann und Jürgen Peschl

Klaus Baumann ist zentraler Schulpsychologe für die schwäbischen Gymnasien und Jürgen Peschl zentraler Beratungslehrer für die schwäbischen Grund- und Mittelschulen.

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