Staatliche SchulberatungAngst, Wut oder Neid blockieren das Lernen? Das kannst du tun!

Die Vorbereitung auf Prüfungen gehört zur Schule dazu – und am besten wäre es natürlich, wenn alle ganz entspannt damit umgehen könnten. Aber mal ehrlich: Das ist oft leichter gesagt als getan! Beim Lernen und in Prüfungssituationen geht es nicht nur um Wissen und Können – auch deine Emotionsregulation spielt eine entscheidende Rolle. Angst kann dich lähmen, Neid dich ablenken, Wut dich aus dem Konzept bringen. Wenn Emotionen die Kontrolle übernehmen, wird es schwer, das eigene Können zu zeigen. Umso wichtiger ist es zu verstehen, wie Gefühle wirken – und wie du mit ihnen umgehen kannst, sodass sie dich nicht ausbremsen. Dieser Artikel ist für dich, wenn du merkst, dass deine Emotionen dir manchmal im Weg stehen. Hier erfährst du, wie du deine Gefühle besser verstehst und so steuerst, dass sie dich beim Lernen unterstützen, statt blockieren.

Ein Beispiel aus dem echten Leben

Lea schaut in ihren Kalender und sieht: In zwei Wochen steht die nächste Schulaufgabe an. Sofort geht ihr durch den Kopf: „Oh nein, die ist wichtig! Das geht aber bestimmt daneben! Bei der letzten habe ich total schlecht abgeschnitten!“

Und schon passiert etwas in ihrem Körper: Ihr Herz fängt an zu klopfen, sie atmet schneller und flacher, ihr wird plötzlich übel. Die Angst steigt auf, ihr Gesicht verzieht sich. Das Ganze fühlt sich so unangenehm an, dass sie nur noch eines will: Ablenkung! Also schiebt sie das Lernen vor sich her.

Die nächsten Tage verlaufen ähnlich. Erst kurz vor der Prüfung – als es eigentlich schon zu spät ist – schafft sie es, sich hinzusetzen und zu lernen. Sie geht völlig verängstigt in die Prüfung. Als sie ihre Note – mangelhaft – erhält, ist sie sehr enttäuscht. Und es steht schon der nächste Test an. Was soll sie nur tun?

Warum haben wir überhaupt Gefühle?

Bevor wir über den Umgang mit Gefühlen sprechen, lass uns verstehen, warum sie so wichtig sind. Gefühle sind keine lästigen Störenfriede – im Gegenteil!

Gefühle sind Turbo-Reaktionen: Sie helfen dir, bedeutsame Situationen blitzschnell zu bewältigen. Wenn Gefahr droht, sorgt Angst dafür, dass du sofort reagierst – ohne lange nachdenken zu müssen.

Gefühle sind dein innerer Kompass: Sie beeinflussen dein Denken und Handeln. Freude motiviert dich, weiterzumachen. Ärger zeigt dir, dass eine Grenze überschritten wurde.

Gefühle sind deine stummen Botschafter: Durch Mimik, Gestik und Körperhaltung teilst du anderen Menschen mit, wie es dir geht – oft ohne ein einziges Wort zu sagen.

Die Superkraft „Gefühlsregulation“

Unter der Regulierung von Gefühlen versteht man Prozesse, mit denen du versuchst, die Art, die Stärke oder die Dauer deines Gefühls zu beeinflussen. Es geht nicht darum, Gefühle zu unterdrücken, sondern sie so zu steuern, dass sie dir helfen, statt zu schaden.

Für dich als Schülerin oder Schüler ist das eine echte Superkraft, denn Gefühle gut beeinflussen zu können, hat positive Auswirkungen auf:

  • deine psychische Gesundheit – du fühlst dich insgesamt wohler
  • deine sozialen Beziehungen – Freundschaften werden stabiler
  • deine Motivation – du bleibst am Ball, auch wenn's schwierig wird
  • deinen Lernerfolg – konzentriertes Arbeiten wird leichter

Kurz gesagt: Gefühlsregulation ist eine Schlüsselkompetenz für ein gutes Leben – in der Schule und weit darüber hinaus!

Vier Botschaften, die du kennen solltest:

Dein nächster Schritt

Gefühlsregulation ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Aber jeder Schritt zählt! Fang klein an: Probiere heute eine Atemtechnik aus, gehe übermorgen eine Runde spazieren, wenn du aufgewühlt bist, oder sprich mit jemandem über das, was dich bewegt. Du hast die Kontrolle – auch über deine Gefühle.

Gefühle wahrnehmen, benennen und akzeptieren

Viele von uns versuchen, unangenehme Gefühle einfach zu ignorieren – nach dem Motto „Ist ja nichts, alles gut!“ Aber genau das macht es oft schlimmer. Der erste und wichtigste Schritt ist: Nimm wahr, was in dir vorgeht.

So geht's:

  • Halte kurz inne und frag dich: „Wie fühle ich mich gerade?“
  • Benenne dann das Gefühl: „Ich bin wütend.”
  • Akzeptiere es: „Ich bin wütend und das ist okay.“

Das Spannende: Allein schon das Aussprechen oder Benennen des Gefühls sorgt für Erleichterung! Dein Gehirn verarbeitet Emotionen besser, wenn du sie in Worte fasst.

Wenn du zu Beginn deine Gefühle noch nicht so genau unterscheiden kannst, suche doch mal im Internet nach „Gefühlsrad“ oder „Gefühlsliste“. Diese Materialien helfen dir, genauer zu beschreiben, was du fühlst (z. B. nicht nur „schlecht“, sondern „enttäuscht“, „überfordert“ oder „ängstlich“).

Unangenehme Gefühle sind wie Wellen – sie gehen vorbei

Stell dir vor, deine Angst oder deine Wut ist wie eine Welle im Meer: Sie baut sich auf, wird größer, erreicht ihren Höhepunkt – und ebbt dann von allein wieder ab. Gefühle verschwinden von selbst, wenn du sie lässt!

So surfst du die Gefühlswelle:

  • Nimm das Gefühl wahr: „Ah, da ist die Wut.“
  • Spüre die körperlichen Empfindungen: Herzklopfen? Enge in der Brust? Hitze im Bauch?
  • Akzeptiere, dass das Gefühl da ist – kämpfe nicht dagegen an.
  • Erinnere dich: „Das wird vorbeigehen.“
  • Atme ruhig weiter und lass die Welle kommen und gehen.

Das braucht Übung – aber es funktioniert!

Gefühle sind Informationen – die eine Einordnung brauchen!

Gefühle haben einen Sinn:

  • Angst will dich warnen.
  • Wut zeigt, dass deine Grenzen verletzt wurden.
  • Traurigkeit signalisiert Verlust oder Enttäuschung.

Aber da sie oft sehr stark auftreten, muss man sie erst lesen lernen! Nicht jede Angst ist berechtigt. Nicht jede Wut ist hilfreich. Stell dir deshalb diese Fragen:

  • „Was will mir mein Gefühl sagen?“
  • „Ist das gerade hilfreich?“
  • „Soll ich mich so verhalten, wie mein Gefühl es mir vorgibt?“
  • „Gibt es eine bessere Handlungsalternative, die mich zu meinem Ziel führt?“

Vielleicht sagt deine Angst: „Geh lieber an dein Handy, der Prüfungsstoff ist zu schwer!“ Dein Ziel aber ist: Die Prüfung bestehen. Also könntest du stattdessen denken: „Ok, ich habe Angst vor der Prüfung. Das ist gerade nicht hilfreich. Die Angst besiege ich nicht, wenn ich vor meiner Aufgabe davonlaufe, sondern indem ich mich jetzt gut vorbereite.“ 

Gedanken ziehen lassen

„Ich werde die Prüfung nie bestehen!“, „Hätte ich doch früher angefangen!“ oder auch „Was, wenn ich komplett versage?“ Solche Gedanken drängen sich auf – und wenn wir nicht aufpassen, beginnen wir zu grübeln.

Vergangenheit oder Zukunft?
Wenn ein Gedanke kommt:

  • Überlege: Bezieht er sich auf die Vergangenheit oder die Zukunft?
  • Benenne ihn mit „Zukunft“ oder „Vergangenheit“.
  • Lass ihn dann ziehen – denk nicht weiter darüber nach.

So funktioniert‘s:

  • „Ich werde die Prüfung nie bestehen!“ → „Zukunft.“
  • „Hätte ich mich doch besser vorbereitet!“ → Vergangenheit.

Gedanken sind wie Wolken
Stell dir vor, du sitzt auf einer Wiese und beobachtest den blauen Himmel und die vorbeiziehenden Wolken. Stell dir bildlich vor: Du setzt den Gedanken auf die Wolke – und lässt sie weiterziehen.

Mach dir bewusst: Es sind nur Gedanken. Du entscheidest, ob und wann du dich mit ihnen beschäftigst.

Vorbereitung ist alles: Wenn-dann-Pläne

Wenn du im Voraus überlegst, was in schwierigen Situationen helfen könnte, bist du besser gewappnet. Dein Gehirn hat dann schon einen Plan parat. Du musst nicht erst überlegen, wenn die Panik schon da ist. Überlege auch: Welche Schwierigkeiten sind in solchen Situationen schon aufgetreten? Was kann schiefgehen? Und: Was tue ich dann?

So könnte das aussehen: „Wenn ich frustriert bin, weil ich etwas nicht verstehe, dann atme ich fünfmal tief ein und aus und lese mir dann die Erklärung noch einmal durch. Es könnte trotzdem passieren, dass ich dann lieber auf meinem Handy nachschaue, ob mir jemand geschrieben hat. Besser, ich lege mein Handy in ein anderes Zimmer.“

Situationsauswahl – das „Spielfeld“ klug wählen

Manchmal ist die beste Art, mit unangenehmen Gefühlen umzugehen, sie gar nicht erst entstehen zu lassen. Bei der Situationsauswahl geht es darum, bewusst zu entscheiden, welchen Situationen wir uns aussetzen – und welchen besser nicht.

Stell dir vor, in zwei Tagen steht eine wichtige Mathearbeit an. Du weißt: Wenn du dich mit bestimmten Mitschülern unterhältst, wird nur darüber gejammert, wie schwer die Aufgaben werden und dass sowieso alle durchfallen. Oder im Klassengruppen-Chat wird seit Tagen Panik verbreitet.

Kluge Situationsauswahl bedeutet hier:

  • Keine Gespräche mit Mitschülern führen, die nur Katastrophenszenarien an die Wand malen.
  • Den Klassenchat stummschalten oder bewusst nicht öffnen, wenn dort negativ über die Prüfung geschrieben wird.

Wichtig: Das ist kein „Weglaufen“ oder „Verdrängen“! Es ist ein intelligenter Selbstschutz. Du musst dich nicht jeder Belastung aussetzen, besonders wenn sie dir nicht hilft, sondern schadet.

Die andere Seite der Medaille: Schaffe aktiv Situationen, die angenehme Gefühle fördern!

Wie wär’s damit?

  • Die Erfolgs-Pinnwand: Eine Wand oder ein Notizbuch mit Erinnerungen an vergangene Erfolge – bestandene Prüfungen, gelungene Referate, positive Rückmeldungen von Lehrern. Wenn die Angst hochkriecht: Ein Blick auf diese Sammlung kann Mut machen!
  • Das Support-Netzwerk sichtbar machen: Fotos von Menschen, die dich unterstützen – Familie, Freunde, Vertrauenspersonen. Sie erinnern dich daran: „Ich bin nicht allein.“
  • Aktivitäten einplanen: Gezielt Dinge tun, die Freude bereiten – Sport, Musik, Zeit mit Freunden, Hobbys. Gerade in stressigen Phasen!
Situationsveränderung – das Spielfeld umgestalten

Manchmal können wir einer Situation nicht ausweichen – aber wir können sie so verändern, dass sie weniger belastende und mehr hilfreiche Gefühle auslöst.

Stell dir vor: Du sitzt am Schreibtisch, überall liegen Bücher, Zettel, Stifte, das Handy blinkt, alte Tassen stehen herum. Und das Schlimmste: ein Test, auf dem eine „5“ prangert und der noch von deinen Eltern unterschrieben werden muss! Dein Gehirn schaltet auf: „Hilfe, zu viel! Chaos! Überforderung!“

Warum also nicht die belastende Situation verändern? Sortiere deine Materialien und hefte herumliegende Blätter ein, lass nur die aktuell benötigten Materialien auf dem Tisch liegen. Entferne Ablenkungen, z. B. indem du dein Handy in den Flugmodus bringst oder es in einen anderen Raum legst. Schreib dir einen Plan mit den wichtigsten Aufgaben und arbeite ihn ab.

Bedenke auch: Eine der wirksamsten Arten der Situationsveränderung ist es, nicht mit dem Problem allein zu bleiben! Hol dir Hilfe bei Mitschülern, Eltern und Lehrkräften! Hilfe zu suchen und anzunehmen ist keine Schwäche. Im Gegenteil: Es zeigt, dass du nicht passiv bleibst und leidest, sondern die Situation aktiv angehst.

Die Kunst der Aufmerksamkeitslenkung

Kennst du das? Du sitzt am Schreibtisch und spürst Veränderungen in deinem Körper. Plötzlich kreisen alle Gedanken nur noch um deine schnelle Atmung, deine schwitzenden Hände oder dein pulsierendes Herz: Was, wenn ich einen Blackout bekomme? Die Panik wächst – das Lernen rückt in den Hintergrund.

Die gute Nachricht: Deine Aufmerksamkeit lässt sich lenken! Und das ist eine der wirksamsten Strategien zur Regulierung deiner Gefühle. Das Prinzip: Deine Aufmerksamkeit ist ein Scheinwerfer. Was du anleuchtest, wird groß und bedeutsam. Was im Dunkeln bleibt, verliert an Macht.

Teil 1: Ablenkung als Erste Hilfe – zunächst den Scheinwerfer woanders hinrichten

Du lenkst deine Aufmerksamkeit bewusst weg von der Situation, um belastende Gefühle kurzfristig abzuschwächen.

  • Rückwärtszählen, z. B. von 20 bis 0 herunterzählen
  • Neutrale Bilder vorstellen, z. B. Strand, Wald, Wasserfall
  • Zehn Dinge in der Umgebung benennen, z. B. brauner Tisch, grüner Mülleimer
  • Auf die eigenen Atembewegungen achten
  • Kurze Bewegungspause, z. B. Treppen steigen, ums Haus laufen
  • Kleine Aufgabe erledigen, z. B. etwas aufräumen, etwas zu trinken holen
  • Ein Lied anhören

Teil 2: Konzentration – jetzt den Scheinwerfer auf hilfreiche Aspekte richten

Man blockiert sich selbst, wenn man seine Aufmerksamkeit auf Unkontrollierbares oder Unwichtiges lenkt: „Die Übungsaufgabe ist zu schwer! Ich schaffe das nie! Wie soll das erst in der Prüfung werden?“

Deshalb lenkst du nun deine Aufmerksamkeit auf kontrollierbare oder für dein Ziel wichtige Details, um handlungsfähig zu bleiben. Sprich beispielsweise so mit dir: „Ich lese die Aufgabe Wort für Wort. Welche Informationen sind gegeben? Nach was wird gefragt? Welche ähnliche Aufgabe kenne ich? Wie bin ich da vorgegangen? Was ist jetzt der erste kleine Schritt?“

Wichtig: Gerate nicht in die Aufschiebe-Falle! Lenk dich nur kurz ab und arbeite dann an der Lösung des Problems weiter!

Gefühlssteuerung durch Umdenken

Stell dir vor: Zwei Schüler erfahren, dass in einer Woche ein wichtiger Test ansteht. Der eine ist guten Mutes: „Eine Woche reicht mir zum Lernen, ich teile mir die Zeit gut ein.“ Der andere verzweifelt: „In nur einer Woche werde ich das nie schaffen!“

Gleiche Situation, völlig unterschiedliche Emotionen. Warum? Weil nicht die Situation selbst das Gefühl auslöst, sondern wie wir sie bewerten.

Genau hier setzt die kognitive (d. h. gedankliche) Veränderung an – eine der wirksamsten Strategien bei der Regulierung von Gefühlen. Sie verändert nicht die äußere Realität, sondern unsere Bewertung dieser Realität. Und damit ändern sich unsere Gefühle.

Die wichtigsten Tipps:

Umdeutung: Überlege, was hinter deinem Gefühl noch stecken könnte.

  • Schreibe den belastenden Gedanken auf, z. B. „Ich habe Angst vor der mündlichen Prüfung!“
  • Frag dich: „Was könnte das noch bedeuten?“, z. B. „Das bedeutet, dass mir der Test wichtig ist.“
  • Formuliere einen hilfreichen, alternativen Gedanken, z. B. „Ich bin aufgeregt, weil ich zeigen will, was ich gelernt habe, und Aufregung kann leistungssteigernd wirken.“

Distanzierte Neubewertung – der Außenblick: Schaffe gedankliche Distanz zur Situation, indem du dich fragst:

  • „Wie würde meine beste Freundin die Situation beschreiben – sachlich und ohne Wertung?“
  • Zeitperspektive: „Wie denke ich in einem Monat/Jahr/Jahrzehnt darüber?“

Normalisierung – der Elefant wird wieder zur Mücke: Manche Ereignisse erscheinen riesig und katastrophal. Normalisierung bedeutet: sie als normal, begrenzt oder vorübergehend einordnen. Denn was normal ist, fühlt sich weniger bedrohlich an, z. B. Nervosität bei der Prüfungsvorbereitung ist völlig normal – das geht jedem so. Und nach der Prüfung ist es vorbei.“

Von der Bedrohung zur Herausforderung: Betone deine eigenen Fähigkeiten, die dir helfen, die bevorstehende Aufgabe zu meistern. Sage dir nicht: „Das schaffe ich nie!“, sondern überlege, was du realistischerweise tun kannst, z. B. „Ich suche mir zu jedem Thema drei Aufgaben und übe damit.“

Sinnperspektive – das große Ganze: Ordne die Prüfungsvorbereitung in einen größeren Zusammenhang ein: „Es ist anstrengend, sich gut auf eine Prüfung vorzubereiten, wenn man immer denkt, dass die Zeit nicht reicht, und dann panisch wird. Aber wenn ich jetzt lerne, damit umzugehen, profitiere ich mein ganzes Leben davon.“

Wenn die Emotionen schon hochkochen: Dein Notfallplan für starke Gefühle

Du kennst das sicher: Die Wut rollt über dich hinweg, die Angst kriecht dir den Rücken hoch oder die Nervosität lässt dein Herz rasen. Was jetzt? Wie kannst du wieder runterkommen, wenn Gefühle bereits mit aller Kraft zugeschlagen haben?

Bewegung – ein Langzeit-Verbündeter: Körperliche Bewegung ist wie ein Reset-Knopf für dein System. Besonders wirkungsvoll: Mache Bewegung zu deiner täglichen Routine! Ob Tanzen, Laufen, Fußball oder ein Spaziergang – regelmäßige Bewegung macht dich widerstandsfähiger.

Die Macht des Atmens: Deinen Atem hast du immer dabei – wie praktisch! – und er ist mächtiger, als du denkst. Probiere diese bewährten Techniken:

  • Zähle deine Atemzüge: Atme ein und denke „1“, atme aus und denke „2“ – bis zur „10“. Spüre dabei bewusst, wie sich dein Brustkorb hebt und senkt.
  • 4-6-Atmung: Zähle beim Einatmen bis 4, beim Ausatmen bis 6. Das längere Ausatmen signalisiert deinem Körper: „Alles sicher, wir können entspannen.“ Mache das mehrere Minuten.
  • Doppel-Atmung: Atme tief ein, bis deine Lungen gefüllt sind – und dann noch einmal „drauf“! Danach ganz langsam ausatmen.

Progressive Muskelentspannung – entspanne deine Muskeln und sie entspannen dich: Bei der Progressiven Muskelentspannung spannst du nacheinander verschiedene Muskelgruppen deines Körpers bewusst an (z. B. Fäuste, Arme, Schultern, Gesicht, Bauch, Beine), hältst die Spannung für einige Sekunden, und lässt dann los. Dabei konzentrierst du dich auf den Unterschied zwischen Anspannung und Entspannung. Such doch mal online nach kostenlosen Audio-Anleitungen!

Temperatur-Tricks – Kälte als emotionaler Helfer: Dein Körper reagiert erstaunlicherweise mit Beruhigung auf Kältereize – mach dir das zu Nutze!

  • Trinke ein Glas eiskaltes Wasser mit Kohlensäure
  • Lasse kaltes Wasser über deine Handgelenke und Hände laufen
  • Lutsche einen Eiswürfel

Zurück zu Lea – ein anderes Ende ist möglich

Erinnerst du dich an Lea vom Anfang? Zwei Wochen vor der Schulaufgabe, Angst im Bauch, Vermeidung statt Lernen, am Ende eine schlechte Note. Aber was wäre, wenn Lea von den Strategien zur Gefühlsregulation gewusst hätte?

Die Geschichte könnte so weitergehen: Lea schaut wieder in ihren Kalender: In zwei Wochen die nächste Schulaufgabe. Ihr Herz klopft, die Angst meldet sich. Aber diesmal reagiert sie anders: Sie hält inne und sagt laut: „Okay, ich habe Angst. Das ist normal nach der letzten schlechten Note!" (sie nimmt ihre Gefühle wahr und akzeptiert sie). Dann fragt sie sich: „Was sagt mir meine Angst? Sie zeigt mir, dass mir die Note wichtig ist. Aber wenn ich jetzt wegschaue, wird es nur schlimmer." (Lea nutzt ihre Gefühle als Informationsgeber). Dann beruhigt sich Lea mit der 4-6-Atmung und einem kalten Glas Wasser (sie nutzt ihren Notfallplan für starke Gefühle), räumt ihren Schreibtisch auf und erstellt einen Lernplan (Lea verändert die Situation). Wenn die Nervosität zwischendurch wieder hochkommt, denkt sie: „Ich bin angespannt und ich kann trotzdem lernen" (Lea nutzt das Prinzip der Gleichzeitigkeit).

Am Tag vor der Prüfung ist sie zwar noch aufgeregt, aber sie hat sich vorbereitet. Als sie eine Woche später ihre Note erhält – eine Drei – ist sie sehr stolz! Und sie weiß jetzt: Sie ist ihren Gefühlen nicht hilflos ausgeliefert, sondern kann sie kontrollieren.

Dein Weg beginnt jetzt

Vielleicht erkennst du dich in Leas Geschichte wieder – in der ersten oder in der zweiten Version. Die gute Nachricht: Du kannst entscheiden, welche Version deine Zukunft wird.
Gefühlsregulation verändert nicht von heute auf morgen dein Leben. Aber jeder kleine Schritt zählt:

Das erste Mal bewusst atmen, wenn die Nervosität kommt.
Ein Wenn-dann-Plan für die nächste schwierige Situation
Ein Gedanke, den du aktiv umdeutest.
Ein Moment, in dem du sagst: „Ich fühle Angst und ich handle trotzdem".

Diese Momente summieren sich. Aus Momenten werden Gewohnheiten. Aus Gewohnheiten wird eine neue Art, mit dir selbst umzugehen. Du musst nicht alle Strategien auf einmal ausprobieren. Nimm dir eine oder zwei, die dich ansprechen. Teste sie. Sei geduldig mit dir. Und denk daran: Auch der längste Weg beginnt mit einem einzigen Schritt.

Und wenn es doch mal zu viel wird? Dann ist da immer noch jemand für dich: Schulpsychologen, Beratungslehrkräfte, Vertrauenspersonen. Hilfe anzunehmen ist kein Scheitern – es ist der mutigste Schritt von allen.

Sophie-Catrin Ellerweg

Sophie-Catrin Ellerweg

Sophie-Catrin Ellerweg ist Zentrale Schulpsychologin für Gymnasien an der Schulberatungsstelle für Niederbayern.

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