Staatliche SchulberatungKlassenelternabende abwechslungsreich gestalten
Die Kommunikation zwischen Lehrkräften, Eltern und Erziehungsberechtigten (im Folgenden: „Eltern“) steht, seit es digitale Medien gibt, auf mehreren Beinen; und trotzdem kommt der persönlichen Begegnung zwischen Lehrkräften und Eltern eine wichtige Bedeutung zu. Ein gut gestalteter Klassenelternabend, wie er an allen Schulen unter anderem in den ersten Schuljahreswochen abgehalten wird, kann mit darüber bestimmen, wie vertrauensvoll sich die Zusammenarbeit zwischen Schule und Eltern im weiteren Schuljahresverlauf gestalten wird.
Ein Klassenelternabend hat ein wichtiges Ziel: die Weitergabe von Informationen an Eltern. Häufig geht es um die inhaltlichen Schwerpunkte des Unterrichts in der betroffenen Jahrgangsstufe, die Regelungen zu Notengebung oder Befreiung vom Unterricht, eventuell anstehende Klassenfahrten, die Ausstattung der Schülerinnen und Schüler mit digitalen Endgeräten und vieles mehr. Eltern sind hier meist nur Zuhörende, die zwischendrin Fragen stellen. Hier ist schon wichtig: An einem Elternabend sollte den Fragen und Anliegen von Eltern genug Zeit eingeräumt werden. Das kann en passant bei jedem einzelnen Thema geschehen; doch es durchaus lohnenswert, die Eltern ihre Anliegen und Themenwünsche gezielter einbringen zu lassen. Ein gut gestalteter Elternabend vermag es so, mehr als nur reine Informationen weiterzugeben.
Hier zwei Vorschläge, wie man einen Klassenelternabend abwechslungsreich gestalten kann:
Die moderierte Abfrage von Themen

Anstatt den Elternabend nach der Begrüßung gleich mit einem ausgearbeiteten Informationsblock zu verschiedenen Themen fortzuführen, könnte man die Eltern erstmal in kleinen Gruppen Themen und Anliegen sammeln lassen. Gruppentische haben sich hier bewährt; zielführend als Material sind Moderationskärtchen, die man mit Stiften bereits auf den Tischen bereitgelegt hat. Die Gruppentische haben im Übrigen zugleich eine Signalwirkung: Hier werden nicht nur frontal Inhalte vermittelt, sondern das Klassenzimmer ist ein kommunikativer Ort – im Unterricht, aber eben auch an einem Elternabend!
Man sollte den Eltern fünf bis zehn Minuten Zeit geben, um ihre Anliegen auf den Kärtchen zu sammeln. Diese kann man dann entweder kommentiert oder stumm von den Arbeitsgruppen auf eine Stellwand pinnen lassen. Ähnliche oder gleiche Themen nebeneinander anzubringen, ist sinnvoll. Als Lehrkraft kann man sich so einen Überblick über die Anliegen der Eltern verschaffen, im anstehenden Informationsblock Anliegen aufgreifen und Fragen beantworten. Was besprochen wurde, kann von der Stellwand entfernt oder abgehakt werden (aber bitte nicht durchstreichen!) – so behält man gut den Überblick, welche Themen noch offen sind. Selbstverständlich sollte man alle Anliegen berücksichtigen – auch wenn man eventuell nur sagt: „Die Frage kann ich Ihnen leider im Moment nicht beantworten; ich werde mich erkundigen und Sie dann über das Elternportal informieren.“
Der Vorteil eines solchen Vorgehens in Kleingruppen liegt auf der Hand: Die Eltern bleiben nicht in der Rolle der stillen Zuhörenden, sondern werden aktiv eingebunden und fühlen sich ernst genommen. Und: Die Lehrkraft und die Eltern werden den lebendigeren Elternabend zu schätzen wissen.
Die Zahnrad-Methode

Die Unterrichtsmethode des Zahnrads dürften einige Lehrkräfte kennen. Hier werden Stühle in zwei Sitzkreisen, einem Innen- und einem Außenkreis, so angeordnet, dass sich immer zwei Personen gegenübersitzen, um miteinander sprechen zu können. Hat man also einen Elternabend mit 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmern gibt es einen inneren Stuhlkreis mit 15 Stühlen (der nach außen schaut) sowie einen Außenkreis (der nach innen blickt) mit ebenfalls 15 Stühlen. (Bei einer ungeraden Teilnehmerzahl kann die Lehrkraft einen Platz einnehmen oder man bildet eine Dreiergruppe.) Das Arrangement kann man vorab im Klassenzimmer vorbereiten, sofern man weiß, wie viele Eltern kommen werden.
Nach der Begrüßung gibt man nun ein Thema oder eine Frage vor, die die Eltern mit ihrem Zahnrad-Gegenüber besprechen. Und der Clou beim Zahnrad ist: Nach ca. drei Minuten lässt man das Zahnrad neu einrasten. Das heißt, dass man die erste Gesprächsrunde beendet und nun den Innenkreis in Uhrzeigersinn um zum Beispiel zwei Plätze weiterrücken lässt. Für die dritte Gesprächsrunde wäre dann der Außenkreis dran und soll sich gegen den Uhrzeigersinnd um zwei Plätze bewegen. Mit drei oder maximal vier Gesprächsrunden lassen sich so die ersten 15 Minuten eines Elternabends einmal anders gestalten.
Der Vorteil der Methode liegt auf der Hand: Die Eltern kommen in den Austausch und lernen sich kennen. Und die Erfahrung zeigt: Auch der Rest des Elternabends wird kommunikativer verlaufen, weil sich die Eltern „warmgeredet“ haben.
Welche Gesprächsthemen bieten sich für das Zahnrad an? Angenommen, die Klasse ist neu gebildet worden, so könnten die Eltern sich darüber austauschen, was ihre Kinder zu Hause von den ersten Schultagen oder -wochen berichten. Gerade hier ist die Methode des Zahnrads zielführend. Im Prinzip gibt es aber viele unterschiedliche Fragestellungen, bei denen man auf diese Weise die Sicht von Eltern (und Schülerinnen/Schülern) einholen kann. Andere Themen könnten zum Beispiel sein: „Was gefällt Ihrem Kind an der Schule? Was nicht?“, „Wie schätzen die Schülerinnen und Schüler die Situation in der Klasse ein?“, „Was wünschen Sie sich als Eltern von der Schule?“
Als Abschluss der Zahnrad-Methode ist eine Kurzauswertung im Plenum mit einer einleitenden Frage denkbar: „Ich würde mich freuen, wenn wir ein paar Rückmeldungen bekämen: Was haben Sie in den Gesprächen Neues erfahren? Oder was war Ihnen wichtig?“ Anschließend kann man dann den obligatorischen Informationsblock folgen lassen.
Fazit: Seien Sie mutig!
Viele andere Methoden sind für Elternabende denkbar. Trauen Sie sich als Lehrkraft, kreativ und mutig zu sein. Warum sollen nicht Eltern auch mal ein kurzes Laufdiktat oder eine andere Unterrichtsmethode (z. B. zum Vokabellernen) ausprobieren? Sie können so ein bisschen was von Ihrem pädagogischen Geschick zeigen und zugleich signalisieren, dass Sie die Eltern einbinden. Und Elternabende sind dann eben nicht mehr nur eine Pflichtveranstaltung, zu der Eltern einmal im Jahr gehen sollten, sondern etwas, das Eltern positiv in Erinnerung behalten werden.

Ulf Cronenberg
Ulf Cronenberg ist Schulpsychologe an der Staatlichen Schulberatungsstelle für Unterfranken in Würzburg.