Staatliche SchulberatungRaum für echte Entlastung: Wie Kollegiale Fallberatung angehende Lehrkräfte stärkt
Das Referendariat ist intensiv – fachlich wie emotional. Umfangreiche Unterrichtsplanung, viele „erste Versuche“ im Unterricht und herausfordernde Elterngespräche. Bei anfänglichen Schwierigkeiten gehören für viele Studienreferendarinnen und -referendare auch Selbstzweifel zum Alltag. Kollegiale Fallberatung schafft hier einen geschützten Rahmen, in dem genau solche Situationen offen angesprochen werden können. Ohne Bewertung, ohne Noten- und Leistungsdruck, die eigene Entwicklung im Fokus.
Und dennoch gilt Kollegiale Fallberatung in vielen Studienseminaren noch immer als „zusätzlicher Termin“ im ohnehin dichten Alltag des Referendariats. Dabei steckt in diesem Format ein oft unterschätztes Potenzial – gerade für angehende Lehrkräfte. Wer sich darauf einlässt, gewinnt mehr als nur neue Perspektiven auf schwierige Unterrichtssituationen.
Was ist Kollegiale Fallberatung?
Die Kollegiale Fallberatung ist ein strukturiertes und moderiertes Format, bei dem Lehrkräfte in Gruppen zusammenkommen, um spezifische Fälle aus ihrer Praxis zu besprechen. Der entscheidende Unterschied zu klassischen Beratungsgesprächen: Die Lösungen kommen nicht „von oben“, sondern aus der Gruppe selbst. Kolleginnen und Kollegen, die sich in ähnlichen Situationen befinden, bringen ihre Perspektiven ein – oft überraschend ehrlich, praxisnah und direkt umsetzbar. Das entlastet und stärkt zugleich.
Ein konkreter Unterrichtsfall wird geschildert, Rückfragen helfen beim Verstehen, und anschließend werden gemeinsam Lösungsansätze entwickelt. Für viele Referendarinnen und Referendare ist das ein Perspektivwechsel: Weg vom Gefühl, allein vor Problemen zu stehen, hin zu einem kollektiven professionellen Lernen.
Besonders schön fand ich den offenen und unvoreingenommen Austausch innerhalb unseres Seminars. Bei allen möglichen Fragen und Herausforderungen hatte ich am Ende einer unserer Sitzung immer das Gefühl, vorangekommen zu sein. Egal ob ich selbst direkt betroffen war oder nicht. Insgesamt hat die Kollegiale Fallberatung in meinen Augen den Zusammenhalt unseres Seminars gefördert und war eine tolle Ergänzung des Referendariats, die uns einen Blick ‚von außen‘ sowie professionelle Unterstützung und Beratung ermöglicht hat. Gerade zum Start ins Berufsleben als Lehrerin oder Lehrer empfand ich dies als sehr bereichernd.
Esther Schopf, ehemalige Referendarin am Ludwigsgymnasium München
Konkreter Nutzen für den Unterricht – und für die Person selbst
Der Mehrwert zeigt sich nicht nur im Gespräch selbst, sondern vor allem im Klassenzimmer. Die erarbeiteten Ideen sind oft sofort anwendbar: neue Strategien im Umgang mit Störungen, alternative Methoden für komplexe Lerngruppen oder Impulse für die Entwicklung der eigenen Lehrerrolle.
Nicht zu unterschätzen ist auch der persönliche Effekt: Wer merkt, dass andere mit ähnlichen Herausforderungen kämpfen, gewinnt Sicherheit. Zweifel werden relativiert, Erfolge sichtbarer. Die eigene Entwicklung wird bewusster wahrgenommen.
Viele berichten, dass sie durch die Kollegiale Fallberatung nicht nur bessere Lösungen finden, sondern sich auch selbstbewusster fühlen.
Dass die Kollegiale Fallberatung bereits im Referendariat angeboten wird, finde ich klasse. Auch wenn es nicht immer klassisch um einen konkreten Fall ging, so konnten doch viele Themen besprochen und diskutiert werden, die für jeden Berufsanfänger im Lehramt neu sind und auch oft für Unsicherheiten sorgen.
Bastian Wagner, ehemaliger Referendar am Ludwigsgymnasium München
Warum sich eine Teilnahme lohnt
Kollegiale Fallberatung ist kein „Extra“. Sie ist eine Investition, die Zeit spart: weil Probleme schneller geklärt werden, weil Unsicherheiten abnehmen und weil nicht jede Herausforderung alleine bewältigt werden muss. Sie verbindet Erfahrungsaustausch mit Praxis und macht aus Herausforderungen Entwicklungschancen.
Wie komme ich an das Angebot?
Über das Programm LehrKraftStärken der Staatlichen Schulberatungsstellen in Bayern erhalten Studienseminare aller Schularten gezielte Unterstützung, um dieses Format vor Ort umzusetzen. Ein Moderator bzw. eine Moderatorin für Kollegiale Fallberatung kommt direkt an die Schule vor Ort und leitet das Beratungsformat professionell an.
Weitere Informationen dazu erhalten interessierte Seminarleitungen und -lehrkräfte sowie Referendarinnen und Referendare bei den Regionalbeauftragten für LehrKraftStärken in der jeweiligen Region. Gerne stellen wir in diesem Zusammenhang auch das gesamte Portfolio des Bereichs LehrKraftStärken für die angehenden Lehrkräfte vor.