Gedenken an den 9. November 1938 Jeder Mensch hat einen Namen
Im Rahmen unseres W-Seminars „Israel“ sowie unseres Geschichtsunterrichts am Edith-Stein-Gymnasium München haben wir uns intensiv mit der jüdischen Geschichte befasst. Als wir gefragt wurden, ob wir bei der Gedenkveranstaltung in München anlässlich des Jahrestags des Novemberpogroms 1938 mitmachen wollen, haben wir sofort zugesagt. Es ist nämlich etwas anderes, plötzlich Teil des Gedenkens zu sein, selbst die Namen, das Alter und den letzten bekannten Wohnort der Ermordeten laut zu lesen, als nur Fakten und Nummern im Schulbuch zu lesen. So wird die Erinnerung an die Namen und Schicksale dieser Menschen lebendig gehalten. Auch, wenn seitdem viel Zeit vergangen ist, darf ihre Entrechtung, Demütigung und Ermordung nie vergessen oder verharmlost werden.
Im Video zeigen wir euch ein paar Eindrücke von der Namenslesung am Gendenkstein der Alten Hauptsynagoge, erzählen euch, wie wir die Veranstaltung erlebt haben, und was Gedenken und Erinnern für uns bedeutet.

1 …weil ich im W-Seminar „Israel“ 2 meine Seminararbeit geschrieben habe 3 und ein Interview geführt habe mit einem Israeli.
4 Er war erst sehr skeptisch, 5 als ich geschrieben habe, dass ich aus Deutschland komme.
6 Am Ende von dem Interview, hat er mich gefragt, 7 was wir in Deutschland tun, 8 damit so etwas wie ein Holocaust nicht noch einmal passiert.
9 Meine Antwort war, dass wir versuchen, die Erinnerungskultur aufrechtzuerhalten.
10 Und ich glaube, die Namen nicht zu vergessen, ist ein Weg, 11 die Erinnerungskultur aufrechtzuerhalten.
12 Weil ich den Opfern gedenken will, 13 die damals gestorben sind.
14 Weil es wichtig ist, dass diese Namen weiterhin in unserer Gesellschaft bleiben, 15 dass man sie nicht vergisst und 16 dass so etwas nicht nochmal passiert.
17 Weil ich es extrem wichtig finde, dass man 18 hinter den ganzen Namen und Bildern, 19 die wir hier jetzt an der Wand sehen, 20 auch wirklich die Leben sieht und nicht nur immer die Zahl 21 von sechs Millionen getöteten Juden vor Augen hat, 22 sondern wirklich auch die Leben dahinter sieht.
23 Mir bedeutet es schon viel, hier Teil sein zu können 24 und dabei helfen kann, 25 dass die Ereignisse nicht in Vergessenheit geraten.
26 dass man weiterhin daran erinnert und dass man nicht vergisst, dass es so etwas mal gab.
27 Dass ich meinen Teil dazu beitragen kann, 28 die Opfer nicht zu vergessen, 29 denen zu gedenken 30 und jedem Menschen einen Namen zu geben, weil 31 es nicht nur eine Zahl von ermordeten Menschen war.
32 Das Motto dieser Veranstaltung ist ja auch „Jeder Mensch hat einen Namen“ 33 und es ist sehr wichtig, dass man diese Namen auch kennt.
34 Für mich war die Lesung bisher sehr eindrucksvoll.
35 Was ich vorhin sehr berührend fand, war es, 36 einen Enkel eines Getöteten zu sehen und ihn hier reden zu hören.
37 Die Lesung bis jetzt war für mich sehr bedrückend.
38 Im Geschichtsunterricht lernt man natürlich viel über den Zweiten Weltkrieg, 39 mir war aber noch nie so bewusst, wie jetzt, dass das Menschen, wie wir waren.
40 Die in München gelebt haben, 41 ein Leben hatten und einfach aus ihrem Leben herausgerissen 42 und dann ermordet wurden.
43 …dass es wichtig ist, dass man an Leute erinnert und gedenkt, 44 die etwas geleistet haben oder aufgrund einer Sache, 45 die sie gemacht haben, die Gesellschaft verändert haben.
46 Ich finde es wichtig, dass man 47 der jüngeren oder nächsten Generation zeigt, 48 dass diese Leute etwas geschafft haben, dass man selbst auch schaffen kann.
49 Mir fällt dazu ein, dass man an Leute erinnert, 50 damit sie nicht wieder in Vergessen geraten und 51 dass man weiß, dass 52 sie alle gelebt haben und ein Beruf und eine Familie hatten.
53 Meiner Meinung nach ist es wichtig, 54 sich daran zu erinnern, was in Deutschland passiert ist, damit 55 verhindert werden kann, dass so etwas nochmal passiert.
56 Ich glaube, es ist besonders wichtig, dass 57 wir als jüngere Generation das auch mitbekommen, 58 weil wir immer weiter weg davon sind.
59 Das Thema Gedenken und Erinnern ist sehr wichtig, 60 weil man aus den Fehlern der Vergangenheit lernen muss 61 und die Fehler nicht wiederholen darf.
62 Es darf nicht noch einmal so etwas passieren, wie damals.
63 Das muss man verhindern.
64 Deswegen müssen auch jüngere Generationen an solchen Gedenkveranstaltungen teilnehmen.