Vorleseaktion Mit den Olchis zurück ins Mittelalter
Der Schriftsteller Erhard Dietl verfasst und illustriert seit mehr als 30 Jahren die bekannte Kinderbuchreihe „Die Olchis“, die inzwischen in zahlreiche Sprachen übersetzt worden und unter anderem in Spanien, Frankreich, Japan und China erschienen ist.
Heute liest er in seinem Vorlesevideo aus seinem Kinderbuch „Die Olchis im Land der Ritter“ (erschienen im Oetinger Verlag) vor: Die Zeitreise zurück ins Mittelalter hält für Olchi-Oma und die beiden Olchi-Kinder viele lustige und romantisch-tollkühne Abenteuer bereit!

Hallo ihr Lieben!
Ich bin Erhard Dietl, der Erfinder der Olchis, der kleinen Grünlinge aus Schmuddelfink.
Ich möchte euch heute ein Buch zeigen.
Es heißt: „Die Olchis im Land der Ritter“.
In dem Buch reist die Olchi-Oma mit den beiden Olchi-Kindern mit Professor Brauseweins Zeitreisemaschine zurück ins Mittelalter.
800 Jahre weit reisen sie zurück.
Ich werde euch ein kleines Kapitel vorlesen.
Es heißt: „In finsteren Gassen“.
Und ihr spitzt eure Hörhörner.
Als die Olchis wieder zu sich kamen, brauchten sie einen Moment, bis sie wieder bei klarem Bewusstsein waren.
„Beim Läuserich, ist noch alles dran bei euch Stinkerlinge?“, murmelte die Olchi-Oma und fasste sich an die Hörhörner.
„Ja, alles grötig bei uns“, sagten die Olchi-Kinder.
Eingehüllt in ihren Decken saßen die Olchis auf der Erde.
Sie sahen, dass sie in einer schmutzigen und düsteren Gasse gelandet waren.
Den Olchi-Kindern fiel auf, wie herrlich es hier roch: ganz wunderbar modrig und ein bisschen nach fauligem Mülleimer.
„Schön hier, oder?“, sagte die Olchi-Oma.
„Genau wie damals.“ Sie konnte noch immer nicht glauben, dass sie jetzt tatsächlich in diesem Mittelalter gelandet waren.
Vielleicht war alles nur ein Traum.
Sie zwickte sich fest in die Knubbel-Nase.
Nein!
Das war kein Traum.
Die Olchi-Kinder sagten: „So olchig haben wir es uns gar nicht vorgestellt Oma.“ Dass die Gasse so schön schmutzig war und hier eine Menge Abfall herumlag, das gefiel ihnen doch sehr.
Und plötzlich flogen auch noch ein paar Essensreste von oben herab und platschten direkt neben ihnen auf den Boden.
Jemand hatte sie einfach so aus dem Fenster geworfen.
„Grötig!“, sagten die Olchi-Kinder.
„Das reinste Paradies.“ „Jaha, freut mich, wenn es euch gefällt“, kicherte die Olchi-Oma.
Eine vollbeladene Eselskarre rumpelte an ihnen vorbei.
Eine Frau in einem zerlumpten sackartigen Kleid schlurfte neben dem Esel her.
Mit einem Stock trieb sie ihn zur Eile an.
Hinter ihr gingen zwei Männer in einem langen Gewand und buschigen Federn an den Hüten.
Und Olchi-Oma erinnerte sich: Genauso hatten die Leute damals ausgesehen.
Ja, ganz anders als im heutigen Gammelsberg.
„Wo wohnt denn jetzt deine Kräuterfrau, Oma?“, fragte das eine Olchi-Kind.
Und Olchi-Oma kratzte sich an den Hörhörnern.
„Ohhh, beim Käserich, ich kann mich nicht erinnern.
Aber mal sehen.
Gehen wir ein Stück.
Vielleicht kommt mir irgendwas bekannt vor.“ Und sie liefen die Gasse entlang und sahen in einem Hauseingang drei finstere Gestalten sitzen.
Es waren Männer mit langen Haaren, die Würfel spielten und sich dabei heftig zankten.
Der eine von ihnen sprang auf und rief erbost: „Für wahr, elende Schurken seid ihr!“ Und die beiden anderen versuchten ihn zu beruhigen: „Gemach, tapferer Recke.
Es ist nicht, wie du denkst.
Stets wacker und ehrlich sind wir.“ Die Olchi-Kinder konnten hören, dass die Männer hier ganz anders redeten als die Leute im heutigen Gammelsberg.
Überhaupt war alles ganz anders hier.
Jetzt stakste auch noch ein bunt gekleideter Mann auf hohen Stelzen über das Kopfsteinpflaster und drei struppige Hunde sausten an den Olchis vorbei und jagten sich laut kläffend um eine Ecke.
Gleichzeitig hörten sie hinter sich das Getrappel von Pferdehufen.
„Lausiger Hühnerich!
Aufpassen!“, rief Olchi-Oma und gerade noch rechtzeitig konnten sich die Olchis zur Seite werfen als zwei Ritter auf schwarzen Pferden an ihnen vorbeisprengten.
„Macht uns Platz da, Gesindel!“, hörten sie den einen Ritter rufen.
„Muffelfurzteufel!“, kreischte Olchi-Oma.
„Könnt ihr nicht aufpassen ihr windigen Frischluftfurze?“ „Da sind mir die Autos bei uns in Schmuddelfink schon lieber“, meinte das eine Olchi-Kind.
„Die hupen wenigstens.“ Als sie um eine Ecke bogen, sahen sie, dass oben im ersten Stock ein Fenster aufging.
Eine junge Frau streckte ihren Kopf heraus und leerte ihren vollen Nachttopf vor den Olchis auf die Straße.
Die Olchi-Oma lachte: „Haha, die schmeißen ja wirklich alles aus dem Fenster.
Haha, das sind komische Sitten hier.
Ich erinnere mich wieder.
Haha.
Damals haben sie das schon genauso gemacht.
Hahaha.“ So ihr Lieben!
Das war ein kurzes Kapitel aus dem Buch „Die Olchis im Land der Ritter“.
Und vielleicht habt ihr Lust es euch selber mal anzugucken und zu Ende zu lesen.
Vielleicht lasst ihr es euch einfach vorlesen.
Wie auch immer: Schleimischlamm und Käsefuß, das Leben ist ein Hochgenuß!
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