P-Seminar-Preis 2022 MINTerpol – Naturwissenschaftlichen Geheimnissen auf der Spur

Mit „MINTerpol“ hat das Chemie Projekt-Seminar des Johann-Michael-Fischer-Gymnasiums Burglengenfeld den P-Seminar-Preis 2022 gewonnen. Die Lehrerin Frau Lehner, welche die Schülerinnen und Schüler des Seminars betreut hat, berichtet von der Entstehung des preisgekrönten Projekts:

Im Rahmen ihres Chemie-Projekt-Seminars entwickelten 15 Schülerinnen und Schüler unseres Gymnasiums faszinierende Experimente wie den „Blubbernden Hexenkessel“, „Die Magie des Blaukrautsaftes“, den „heißen Draht“ oder „Rette MINTerpol!“. In einer Chemieshow sollten diese und andere Experimente an einem Schnuppertag bei Grundschülerinnen und Grundschülern des Landkreises Schwandorf das Interesse an den Naturwissenschaften wecken. Aufgrund der Corona-Pandemie konnte der Schnuppertag jedoch leider nicht stattfinden.

Was dann als Corona-Alternative zur eigentlich geplanten Chemieshow von den Schülerinnen und Schülern auf die Beine gestellt wurde, entwickelte sich zu einem Projekt, dass mittlerweile die MINT-Förderung im kompletten Landkreis beeinflusst.

Trotz komplettem Distanzunterricht und Lockdown stellten die teilnehmenden Schülerinnen und Schüler in ihrem P-Seminar Chemie einen naturwissenschaftlichen Experimentierkoffer mit Versuchsanleitungen für spannende Experimente für alle Grundschulen des Landkreises Schwandorf zusammen. Auf dem Weg dorthin wurde allein und selbstständig im heimischen Küchenlabor experimentiert. Der Austausch innerhalb des Seminars erfolgte über Videokonferenzen mit „Live-Distanzexperimenten“. Dabei war auch stets die Kreativität der Seminarteilnehmenden gefragt, so z. B. als Baumärkte und der Großteil der Geschäfte geschlossen hatten. Dann wurde in Marmeladengläsern statt in Reagenzgläsern experimentiert, statt einem Bunsenbrenner ein Teelicht bzw. die Kochplatte benutzt, Blaukraut statt Lackmus als Indikator verwendet und auf diverse Putz- und Nahrungsmittel als Chemikalienersatz zurückgegriffen.

Im Video stellen euch die Schülerinnen und Schüler des Johann-Michael-Fischer-Gymnasiums Burglengenfeld ihr MINTerpol-Projekt vor:

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1 Die Projektidee war ursprünglich chemische Showversuche für den 2 Schnuppertag zu konzipieren und in ein kleines Theaterstück einzubauen.

3 Unter dem Motto „Chemieshow fluorever“ war angedacht, 4 am Schnuppertag anwesende Grundschüler:innen und ihre Eltern 5 für Naturwissenschaften zu begeistern 6 und es, wie es typisch für die Chemie erscheint, stinken und krachen zu lassen.

7 Allerdings wurde der ursprüngliche Projektplan 8 aufgrund des totalen Lockdowns und der Pandemie-Situation 9 komplett neu definiert.

10 Aus „Chemieshow fluorever“ wurde das Projekt MINTerpol.

11 Das neue Projekt hatte zum Ziel, eine professionelle Broschüre mit Experimenten 12 für Grundschüler:innen zu entwickeln.

13 Diese Experimente sollten im Unterricht der Grundschulen in Gruppen-, 14 Partner- oder Einzelarbeit durchgeführt werden können und bei erneutem Schul-Lockdown 15 sogar im Home Schooling mit Haushaltschemikalien.

16 Dazu wurde ein passender Experimentierkoffer mit sämtlichen Materialen 17 im Klassensatz mit über 2000 Einzelteilen konzipiert, der den 18 Grundschulen im Städtedreieck kostenlos zur Verfügung gestellt wurde.

19 Alle anderen 37 Grundschulen des Landkreises Schwandorf sollen 20 die Broschüren inklusive Materialliste gratis zugesandt bekommen.

21 Wir Seminarteilnehmer:innen experimentierten dabei 22 allein und selbstständig im heimischen Küchenlabor bzw.

23 später aufgrund coronabedingten Einschränkungen bei den schulischen 24 Laborplätzen innovativ und open air auf der Experimentierwiese.

25 Wir fanden passende Experimente, entwickelten die Broschüre, 26 ließen sie drucken und befüllten die Koffer.

27 Als Abschluss des Seminars fand am 8.07.2021 28 ein feierlicher Pressetermin am Johann-Michael-Fischer- 29 Gymnasium Burglengenfeld statt, an dem die Koffer übergeben 30 und die Broschüre der Öffentlichkeit vorgestellt wurde.

Nach der Rückkehr aus dem Distanzunterricht wurde aufgrund bestehender Einschränkungen bei den schulischen Laborplätzen innovativ und open air auf der „Experimentierwiese“ weiter experimentiert. Egal, welche Widrigkeiten sich im Laufe des Projekts ergaben, es wurde immer eine kreative Lösung von den Schülerinnen und Schülern gefunden.

Im Zuge der Abschlusspräsentation mit Landrat Thomas Ebeling und allen Schulleitungen umliegender Grundschulen stellten die Seminarteilnehmerinnen und Seminarteilnehmer die hochwertig gedruckten Versuchsbroschüren (inkl. Lösungen zu allen Experimenten) vor und übergaben Experimentierkoffer mit sämtlichen Versuchsmaterialien an die Grundschulen in unmittelbarer Umgebung. Da das Landratsamt Schwandorf die fertigen Versuchsbroschüren kostenlos an alle 37 Grundschulen im Landkreis verschickte, erreichte das MINTerpol-Projekt bzw. die daraus resultierende Broschüre mit selbst entwickelten Experimenten mehrere tausend Schülerinnen und Schüler.

Bild: Experimentierkoffer mit über 2000 Einzelteilen.
Der Experimentierkoffer beinhaltet über 2000 Einzelteile. ©JMF-Gymnasium

Da das Projektseminar-Team sämtliche zukünftige pandemiebedingte Unterrichtsszenarien und Hygienemaßnahmen berücksichtigt hat, lassen sich alle Experimente sowohl in der Schule im Präsenzunterricht, bei gebotenem Mindestabstand in Einzelarbeit und sogar bei erneutem Schul-Lockdown mit Haushaltschemikalien daheim durchführen. Wer jetzt Lust bekommen hat und selbst aktiv werden und experimentieren möchte, findet am Ende des Beitrags die Versuchsbroschüre vom MINTerpol-Projekt zum Download. 

Für sein Engagement wurde das Chemie-Projektseminar nicht nur mit dem P-Seminarpreis Bayern, sondern auch mit dem 1. Platz beim bayernweiten Wettbewerb „Eine Klasse für sich und andere“ und dem bundesweiten „Cornelsen Zukunftspreis“ ausgezeichnet.
 

Ich als Lehrkraft bin beeindruckt, welches Engagement, Durchhaltevermögen und Kreativität die Schülerinnen und Schüler trotz der schwierigen Situation zeigten. Es ist nicht nur langfristige und flächendeckende MINT-Förderung im kompletten Landkreis dadurch ermöglicht worden, sondern auch der persönliche Kontakt zwischen den Grundschulen, dem Landratsamt und dem Johann-Michael-Fischer-Gymnasium wurde intensiviert – und das überraschenderweise durch ein Projekt in Pandemiezeiten. Waren sich die Verantwortlichen vor dem Projekt überhaupt nicht persönlich bekannt, sind mittlerweile zahlreiche Ideen auch für zukünftige Zusammenarbeit und Projekte entstanden, von denen alle Beteiligten profitieren werden. Die Preisgelder investiert das Johann-Michael-Fischer-Gymnasium Burglengenfeld übrigens in ein Outdoor-Labor, somit profitieren auch zukünftige Schülergenerationen an der Schule. Die Idee zum Outdoor-Labor stammt natürlich von den kreativen Seminarteilnehmerinnen und Seminarteilnehmern des MINTerpol-Projektes!

Petra Lehner

Petra Lehner

Petra Lehner ist Chemie- und Biologielehrerin am Johann-Michael-Fischer-Gymnasium Burglengenfeld und hat die Schülerinnen und Schüler des Projektseminars bei ihrem „mINTO THE WILD“-Projekt begleitet und unterstützt.