Internationale Zusammenarbeit Europa macht Schule: Tschechien im Unterricht erleben!

Das DAAD-Programm „Europa macht Schule“ bringt internationale Studierende und Schülerinnen und Schüler deutscher Schulklassen zusammen. Gemeinsam gestalten sie ein Projekt und machen den europäischen Gedanken sowie den interkulturellen Austausch auf ganz persönliche Weise erlebbar.

In diesem Blogbeitrag berichten die Beteiligten von ihren Erfahrungen: Lehrerin Frau Dr. Kunert, die das Projekt an das St.-Marien-Gymnasium geholt hat, Schülerinnen aus dem Politik-und-Gesellschaft-Leistungsfach sowie Rob, ein Student aus Tschechien, der das Projekt gemeinsam mit der Klasse gestaltet hat.

Erfahrungsbericht von Frau Dr. Kunert:

Von dem Angebot „Europa macht Schule“ (EmS) erfuhr ich durch eine ehemalige Schülerin. Sie gab ihrer Schwester, die unsere Schule besucht, Flyer und Aufkleber mit und schrieb ein paar nette Zeilen dazu, ob wir in diesem Jahr nicht mitmachen möchten.

Bis dahin kannte ich das DAAD-Projekt noch nicht. Nach dem Lesen der Unterlagen war jedoch schnell mein Interesse geweckt. Die Möglichkeit, eine Studentin oder einen Studenten aus einem europäischen Land in den Politikunterricht einzubinden, schien eine große Bereicherung zu sein. Vor allem erhoffte ich mir authentische Einblicke und Erklärungen aus erster Hand.

Das erste Koordinationstreffen mit den Verantwortlichen des DAAD-Projekts „Europa macht Schule“ fand online statt. Daran nahmen sowohl Studierende als auch Lehrerinnen und Lehrer teil. Per Zufallsgenerator wurden jeweils eine Lehrkraft und eine Studentin oder ein Student einem gemeinsamen Online-Raum zugeteilt. So lernte ich Rob kennen.

Dort erfuhr ich, dass Rob Christoffels aus Tschechien stammt und in Regensburg Deutsch sowie Tschechische Studien studiert. Er wollte gerne sein Heimatland vorstellen und ich hatte einen interessierten Politik-und-Gesellschaft-Kurs, der über unser Nachbarland bislang nur wenig wusste. Schnell waren wir uns einig, gemeinsam ein abwechslungsreiches Programm für fünf Wochen zu entwickeln. Auch die Schülerinnen wurden in die Planung einbezogen und konnten ihre Ideen und Vorschläge einbringen. Daraus entstand folgendes Programm:

12.01.2026: Kennenlernen und Schulhausführung durch die Schülerinnen für Rob

19.01.2026: Quiz zu Tschechien (Dr. Kunert) und Informationen zum Staatsaufbau (Rob)

26.01.2026: Die Parteienlandschaft in Tschechien (Gruppenarbeit unter Leitung von Rob)

05.02.2026: Erfahrungsaustausch zu Schule und Studium in Deutschland und Tschechien

11.02.2026: Gemeinsames Abendessen im Gasthaus „Zum Schweinswirt“ – Kennenlernen eines bayerischen Traditionsgasthauses und der bayerischen Küche

12.02.2026: Debatte: „Tschechische Küche vs. deutsche Küche (Diskussion in zwei Gruppen, die per Los jeweils eine Seite vertraten)

Die Schülerinnen aus dem Politik-und-Gesellschaft-Leistungsfach tüfteln an dem Quiz zu Tschechien.
Die Schülerinnen aus dem Politik-und-Gesellschaft-Leistungsfach tüfteln an dem Quiz zu Tschechien. ©St. Marien-Gymnasium Regensburg

Die einzelnen Termine waren abwechslungsreich und informativ. Durch den Methodenwechsel entstand immer wieder eine besondere Dynamik – etwa beim Quiz oder bei der Gruppenarbeit, bei denen ein freundschaftlicher Wettbewerbscharakter für zusätzliche Motivation sorgte. Auch die Debatte über die tschechische und die deutsche Küche bereitete allen viel Freude. Die Schülerinnen hatten sich hervorragend vorbereitet, sodass nicht nur typische Gerichte, sondern auch Getränke und Süßigkeiten in die Diskussion einbezogen wurden. Am Ende stand es unentschieden – und die Belohnung passte perfekt: Oblaten nach einem tschechischen Rezept, hergestellt in Bayern.

Ich hätte nicht erwartet, dass sich in so kurzer Zeit aus einem anfänglichen Interesse an Tschechien eine echte Begeisterung entwickeln würde. Das lag zum einen an der Offenheit der Schülerinnen und ihrer aktiven Mitgestaltung des Programms, zum anderen an Rob und seinen informativen Kurzreferaten über sein Heimatland. Besonders bereichernd war der Austausch über Schule, Studium und Esskultur, denn in diesen Bereichen gab es auf beiden Seiten viel Neues zu entdecken.

Dass wir nicht nur über die bayerische Küche sprachen, sondern sie auch gemeinsam in einem traditionellen Gasthaus kennenlernen konnten, war für Rob ein besonderes Erlebnis. Der Wirt braut sein Bier selbst – und ausgerechnet Rob, der aus dem bierbegeisterten Tschechien stammt, sprach ihm dafür ein großes Lob aus.

Bild: Schülerinnen und der tschechische Student Rob sitzen an einem Tisch und essen.
Gemeinsames Abendessen in einem traditionellen bayerischen Gasthaus. ©St. Marien-Gymnasium Regensburg

Beim gemeinsamen Abendessen erzählte Rob außerdem, dass er ausgebildeter Gästeführer in Prag und Skilehrer ist. Das beeindruckte uns sehr. Er zeigte uns Fotos von vielen wunderschönen Orten in Prag, die abseits der bekannten Touristenpfade liegen. Am Ende des Abends lud er uns ein, seine „Goldene Stadt“ zu besuchen. Dieser gemeinsame Ausflug würde den Abschluss unseres DAAD-Projekts bilden: Am Wochenende des 13. und 14. Juni 2026 trafen wir uns in Prag und erkundeten die Stadt bei gemeinsamen Rundgängen und Museumsbesuchen.

Nach dem DAAD-Projekt habe ich mich gefragt, warum ich „Europa macht Schule“ nicht schon früher kennengelernt habe. Die Teilnahme war für alle Beteiligten eine große Bereicherung – für Rob als internationalen Studierenden, für meine Schülerinnen und nicht zuletzt auch für mich.

Nicht nur für die Lehrkraft war das Projekt eine besondere Erfahrung. Auch die Schülerinnen des Leistungsfachs Politik und Gesellschaft erlebten den Austausch mit Rob als eine neue und bereichernde Form des Lernens. Wie sie den Blick auf unser Nachbarland Tschechien verändert hat und welche Eindrücke sie aus den gemeinsamen Begegnungen mitgenommen haben, berichten sie im Folgenden aus ihrer eigenen Perspektive.

Erfahrungsbericht der Schülerinnen des PuG-Leistungsfachs Q 12 und Q 13

Im Januar und Februar 2026 nahmen wir gemeinsam mit Rob Christoffels aus Tschechien am DAAD-Projekt „Europa macht Schule“ teil. Zu Beginn hatten wir keine konkreten Erwartungen – wir waren einfach neugierig auf die Erfahrungen, die uns das Projekt bieten würde. Zunächst gingen wir davon aus, dass Rob uns vor allem etwas über Tschechien erzählen würde.

Aber so war es nicht. Als erstes sammelten wir Themenwünsche, die in das Programm eingebunden wurden. Dabei konnten wir unser Wissen über die deutsche und tschechische Kultur einbringen. Statt eines einseitigen Vortrags entwickelte sich so ein gemeinsames Gespräch, an dem sich jeder beteiligen konnte. Besonders spannend war es, Deutschland und Tschechien miteinander zu vergleichen und Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede (z. B. beim Essen, in der Kultur, in der Schule oder der Politik) herauszuarbeiten.

Die Programmgestaltung war sehr vielfältig. Durch den engen Austausch mit Rob haben wir einen direkten Einblick in das tschechische Schul- und Staatssystem sowie die Parteien und die Kulinarik von Tschechien erhalten. Das gemeinsame bayerische Abendessen im Wirtshaus „Zum Schweinswirt“ war eines der Highlights des Projekts.

Bild: Schülerinnen und der Student Rob sitzen zusammen in einem Klassenzimmer.
©St. Marien-Gymnasium Regensburg

Vor allem haben wir gelernt, eine andere Kultur besser zu verstehen und wertzuschätzen. Dabei fanden wir besonders interessant, wie verschieden die politische Legislative und Exekutive in unserem Nachbarland funktionieren. Vor allem der Austausch über die Schule sowie die Debatte über die Esskultur haben uns gezeigt, dass jedes System seine eigenen Stärken mit sich bringt.

Durch das Projekt wurden uns die Kultur und die Politik von Tschechien viel deutlicher, detailreicher und persönlicher vermittelt, als es im „normalen“ Unterricht möglich gewesen wäre. So authentisch ist Unterricht selten und das hat „Europa macht Schule“ des DAAD für uns sehr besonders gemacht.

Durch die gemeinsamen Gespräche und Diskussionen konnten sich alle beteiligen und einbringen, sodass wir viel über Robs Erfahrungen und Alltag in Tschechien sowie über sein Internationales Studium in Prag und in Regensburg erfahren haben.

Neben vielen neuen Eindrücken über Tschechien erfuhren wir auch viel über Rob selbst, seinen Alltag und sein Studium in Regensburg. Die gemeinsamen Gespräche und Diskussionen haben nicht nur unser Wissen erweitert, sondern auch unseren Kurs noch enger zusammengeschweißt. Ein schöner Abschluss des Projekts war der gemeinsame Ausflug nach Prag, bei dem Rob – als ausgebildeter Stadtführer – uns seine „Goldene Stadt“ gezeigt hat.

Der interkulturelle Austausch lebt vom Perspektivwechsel – und so war „Europa macht Schule“ auch für Rob eine besondere Erfahrung. Als Student aus Tschechien konnte er nicht nur sein Heimatland vorstellen, sondern zugleich die Schule, den Alltag und die Sichtweisen der Schülerinnen kennenlernen. Im nächsten Abschnitt erzählt er, wie er das Projekt erlebt hat und welche Eindrücke er aus der gemeinsamen Zeit mitgenommen hat.

Erfahrungsbericht des tschechischen Studenten Rob Christoffels:

Ich habe an „Europa macht Schule” teilgenommen, denn ich fand das Projekt interessant und wollte neben dem Studium etwas anderes machen. Außerdem war es mir wichtig, das deutsche Schulsystem aus einer anderen Perspektive kennenzulernen. Ich hatte eigentlich keine gute Vorstellung von einer Mädchenschule, da ich noch nie eine solche besucht hatte – also ließ ich mich überraschen.

Mit dem Programmablauf war ich sehr zufrieden. Am Anfang haben wir uns darauf geeinigt, wie das Programm aussehen sollte und ziemlich schnell habe ich die Schule dann auch zum ersten Mal besucht. Dort sprachen wir dann auch nochmal intensiver über das Projekt, was mir sehr geholfen hat, denn so wusste ich genau, was ich tun sollte.

Ich fand es sehr schön, dass wir mehrere kurze Besuche gemacht haben, denn so kann man sich besser kennenlernen als an einem einzigen Tag. Ich war sehr angenehm überrascht von der Atmosphäre und der Motivation der Klasse. So motiviert sieht man Schülerinnen selten.

Ich habe gelernt, dass das tschechische und das bayerische Schulsystem Ähnlichkeiten, aber auch viele große Unterschiede haben. Jetzt konnte ich erleben, wie es ist, vor der Klasse zu stehen und den Schülerinnen etwas beizubringen. Ich bin sehr zufrieden mit dem Projekt und hoffe, dass das Interesse der Schülerinnen an Tschechien gewachsen ist.

Der Austausch mit Rob und der gemeinsame Blick auf Tschechien haben nicht nur bei den Schülerinnen und Schülern bleibende Eindrücke hinterlassen. Auch das Projekt selbst fand über die Schule hinaus große Anerkennung: Rob reichte das Schulprojekt beim DAAD ein und wurde dafür mit dem ersten Preis ausgezeichnet.

Im Rahmen der Jubiläumsfeier zum 20-jährigen Bestehen von „Europa macht Schule“ wurde Rob Chrisstoffels am 19. Juni 2026 beim Festakt an der Goethe-Universität Frankfurt am Main in der Kategorie „Internationale/r Studierende/r“ geehrt. Dort hat er das gemeinsame Schulprojekt auf der Bühne vorgestellt – unterstützt von vier Schülerinnen des St. Marien-Gymnasiums, die ihn zum Festakt begleiten durften.

Und die Begeisterung für „Europa macht Schule“ wirkt am Gymnasium weiter: Auch im Wintersemester 2026/27 wird die Schule wieder an dem Projekt teilnehmen. Dann wird eine Kollegin von Frau Dr. Kunert aus der Fachschaft Wirtschaft die nächste Begegnung mit einem internationalen Studierenden begleiten.


Wer jetzt ebenfalls internationale Begegnungen ermöglichen und gemeinsam mit Studierenden aus Europa spannende Projekte gestalten möchte, kann sich ab Herbst 2026 wieder für eine Teilnahme anmelden. Weitere Informationen zum Projekt und zu den Anmeldemöglichkeiten gibt es auf der Webseite von „Europa macht Schule“.

Dr. Katrin Kunert

Dr. Katrin Kunert

Katrin Kunert ist Lehrerin Deutsch, Geschichte, Politik und Gesellschaft sowie Evangelische Religionslehre (Fachleiterin für G/PuG/EvR) am St. Marien-Gymnasium der Schulstiftung der Diözese Regensburg.