Ehrenamt Sicher über die Straße – unsere Erfahrungen als Schülerlotsinnen

Hallo, wir sind Anna und Marlene und wir sind seit fast einem Jahr Schülerlotsinnen am Gymnasium Dorfen. Am Ende des letzten Schuljahres – wir waren gerade in den letzten Zügen der siebten Klasse – wurde dieses Ehrenamt zum ersten Mal für uns relevant. Wir beide nahmen uns den Anmeldezettel unserer Schule, um uns die Möglichkeit zur Teilnahme offenzuhalten. Letzten Endes hatten wir beide unterschiedliche Gründe, Schülerlotsinnen zu werden.

Warum wir Schülerlotsinnen geworden sind

Zwei Mädchen mit gelben Warnwesten mit der Aufschrift Verkehrshelfer und jeweils einer Winkerkelle in der Hand stehen auf einem Gehweg.
So sehen Anna und Marlene im Einsatz aus.

Marlene hatte schon von Freundinnen davon gehört und wollte einen kleinen Beitrag an die Schulfamilie leisten. Da Annas Mutter schon lange Schulweghelferin ist, hat sich Anna daran ein Beispiel genommen. Aber natürlich spielte bei uns beiden auch das kleine Dankeschön, in unserem Fall in Form eines Verzehrgutscheins des nahegelegenen Lebensmittelladens, eine Rolle.

Wir können uns noch gut an unseren ersten Einsatztag erinnern: Wir waren beide etwas überfordert mit der Gesamtsituation, da es am Anfang sehr schwierig sein kann, gleichzeitig die Schülerinnen und Schüler und den Verkehr im Auge zu behalten. Dennoch machte es uns auch stolz, diese verantwortungsvolle Aufgabe zu übernehmen, obwohl wir sehr nervös waren.

Von wütenden Autofahrern und dankbaren Eltern

Wir haben in diesem Jahr schon viele sowohl positive als auch negative Situationen erlebt. Diese reichen von wütenden und genervten Autofahrern bis zu freundlichen, dankbaren, Kindern und Eltern.

Eine Erfahrung ist bei uns besonders hängen geblieben:

07:37 Uhr: Wir steigen aus dem Bus und beeilen uns, rechtzeitig zur Schule zu kommen. Während alle anderen noch schnell Vokabeln wiederholen, streifen wir uns unsere Warnwesten über und machen uns mit unseren Kellen in der Hand auf den Weg zur Straße. Marlene wechselt die Straßenseite, während wir die ersten Schüler erwarten. Schon bald biegen welche um die Ecke. Durch Blickkontakte und Zunicken machen wir aus, wann wir auf die Straße gehen können. Mittlerweile sind wir schon sehr gut aufeinander abgestimmt. Der letzte Schüler ist gerade dabei, die Straße zu verlassen, als plötzlich ein Auto zwischen uns hindurch kurvt. Empört schauen wir dem Autofahrer hinterher, der uns trotz unserer neongelben Westen und ausgestreckten Arme nicht gesehen hat. Das war eine brenzlige Situation, die wir aber gemeinsam gemeistert haben und die uns gezeigt hat, wie wichtig es ist, die Kinder auf dem Weg über die Straße zu begleiten.

Es gibt aber auch sehr erfüllende Momente, wenn man zum Beispiel bemerkt, wie Eltern ihre kleinen Kinder allein über die Straße gehen lassen, weil sie wissen, dass wir sie sichern. Solche Situationen haben uns sehr erfüllt und in unserem Tun bestärkt.

Außerdem wurden wir dadurch selbstbewusster und eigneten uns verschiedene Eigenschaften an, die uns mit Sicherheit auch in unserem späteren Leben zugutekommen werden.


Was sind die Voraussetzungen für den Schülerlotsendienst?

Man muss gegenüber Erwachsenen oder älteren Schülerinnen und Schülern mit Gelassenheit und Durchsetzungsvermögen auftreten können. Zudem muss man bereit sein, Verantwortung zu übernehmen. Aber nicht nur die charakterlichen Kompetenzen werden gefordert, sondern auch das Abschätzenkönnen von Geschwindigkeiten und Distanzen, das Mindestalter von 13 Jahren sowie eine abgeschlossene Schülerlotsen-Ausbildung durch die Polizei sind notwendig.

Wie läuft die Ausbildung zum Schülerlotsen ab?

Die Ausbildung wird von der Polizei sowie der Verkehrswacht durchgeführt. Über einige Nachmittage hinweg werden mit Polizisten die verschiedenen Aufgabenbereiche eines Schülerlotsen bzw. einer Schülerlotsin besprochen, daraufhin wird eine theoretische Prüfung abgelegt. Abschließend gibt es noch eine praktische Einführung auf der Straße und man erhält einen Einsatz-Pass.

Jedes Schülerlotsen-Paar wechselt sich wöchentlich ab, jährlich stehen wir beispielsweise viermal an unseren Übergängen. Unser Dienst am Morgen zur Hauptverkehrszeit dauert etwa 20 Minuten. In der Regel erstellt der zuständige Lehrer einen Dienstplan und ist bei Fragen immer ansprechbar. Allerdings muss jedes Team im Krankheitsfall eigenständig für eine Vertretung sorgen.

Wo kann man sich als Schule melden, wenn Interesse am Schülerlotsendienst besteht?

Wenn es an einer Schule Schülerinnen und Schüler mit Interesse an dem Ehrenamt gibt, kann die Lehrkraft oder die Schulleitung die Kontaktdaten der Schule und einen Ansprechpartner direkt an schuelerlotsen@verkehrswacht-bayern.de schicken.

Zwei Mädchen mit Warnwesten schauen in die Kamera

Anna und Marlene

Anna Lackermair und Marlene Reger sind in der achten Klasse am Gymnasium Dorfen und seit dem Schuljahr 2025/2026 als Schülerlotsinnen im Einsatz.

www.gymnasiumdorfen.de