Medienkompetenz „Fake Hase“ gegen Fake News: Die Eckentaler Medienscouts

Das Gymnasium Eckental ist im Bundeswettbewerb „Demokratisch Handeln“ für seine Aktionen zu Fake News ausgezeichnet und bei der Verleihung des Rainer-Reichert-Journalistenpreises lobend erwähnt worden. Dass die medienpädagogische Arbeit so erfolgreich ist, liegt daran, dass die Schülerinnen und Schüler zwar Impulse und Coaching, aber gleichzeitig auch genug Freiraum erhalten.

Am Gymnasium Eckental ist man überzeugt, dass es nicht reicht, über Demokratie zu reden. Wo möglich, muss man sie leben. Daher sind in die Vermittlung medienpädagogischer Inhalte auch Medienscouts eingebunden, deren Aktionen zu Fake News vom Bundeswettbewerb „Demokratisch Handeln“ nun als herausragendes Demokratieprojekt ausgezeichnet wurden. Die Siegerehrung fand im Rahmen des dreitägigen Junify-Festivals vom 10. bis 12. Juni 2026 in Berlin statt. Insgesamt wurden 50 schulische und außerschulische Projekte von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen als besonders beispielgebend gewürdigt, von denen drei aus Bayern kommen.

Die Medienscouts, derzeit etwa 15 Schülerinnen und Schüler von der siebten bis zur dreizehnten Jahrgangsstufe, die das freiwillige Wahlfach besuchen, verantworten zum einen spielerische Workshops zu Fake News in allen siebten Klassen des Gymnasiums, zum anderen entwickeln sie Mitmach-Aktionen zu medienethischen Themen, die sich für die 20-minütigen Schulpausen oder als Impulse für die Verfassungsviertelstunde eignen.

„Die kreativen Kampagnen in den Pausen sprechen auch jüngere Klassen an“, lobte die Jury des vom Bundesbildungsministerium geförderten und von der Kultusministerkonferenz empfohlenen Demokratie-Wettbewerbs. Die Jury des Reiner-Reichert-Preises wies auf die „überaus witzige und gekonnte Umsetzung“ eines Rollenspiels hin. In der Schule ist eine Osteraktion besonders beliebt, bei der ein als rosa Fake-Hase verkleideter Medienscouts zu einem FakeFinder-Quiz einlädt. Das Motto der Medienscouts: „Wer nicht an den Osterhasen glaubt, sollte auch nicht auf Fake News hereinfallen.“

Bild: ein Schüler im Hasenkostüm vor einer Schule
©Gymnasium Eckental/Feldrapp

Die Motivation der Medienscouts entspringt ihrer eigenen Betroffenheit. „Seit ich Social Media benutze, habe ich Fake News mitbekommen“, sagt Rosanna aus der neunten Klasse, die sich als Medienscout engagiert. Mitschüler Lorenz beobachtet, dass Fake News politischer geworden sind. Lilli ist es ein besonderes Anliegen, mit Jugendlichen zu reflektieren, wie Algorithmen und Filterblasen die eigene Wahrnehmung verzerren. „Manchmal denkt man, man hat verschiedene Quellen, aber eigentlich sind es immer die gleichen“, erklärt sie. Bei den Aktionen der Medienscouts lernen die Teilnehmenden, wie man Fake News erkennt und Fakten recherchiert. Dabei geht es immer auch um die Möglichkeiten und Grenzen Künstlicher Intelligenz. Bei der konkreten Umsetzung ist es den Medienscouts wichtig, spielerische Methoden anzuwenden und nicht zu langweilen.

Schulleiter Burkard Eichelsbacher* sieht in der Arbeit der Medienscouts einen wichtigen Beitrag zur Medienbildung. „Jugendliche werden ständig mit Nachrichten konfrontiert, die aus unsicheren Quellen kommen. Die Medienscouts tragen dazu bei, dass Jugendliche trainieren, Fakt und Fake zu unterscheiden. In einer demokratischen Gesellschaft ist solche Recherchekompetenz wichtiger denn je.“

Dass neben der inhaltlichen Ausrichtung im Rahmen der Auszeichnungen vor allem die Kreativität gewürdigt wurde, basiert darauf, dass die Gedanken, Ideen und Meinungen der Schülerinnen und Schüler wirklich ernst genommen werden. Der Lehrkraft fällt dabei eine besondere Rolle zu. Sie darf inhaltliche Impulse geben, die Teilnehmenden motivieren und Entscheidungsprozesse moderieren. Aber bei demokratischen Entscheidungen, welches Projekt auf welche Weise verwirklicht wird, hat sie eine einzelne Stimme wie jeder Medienscout. Dies ist getragen von der Überzeugung, dass Jugendliche besser beurteilen können als Erwachsene, was Gleichaltrige wirklich interessiert und was bei ihnen ankommt. Junge Leute brauchen Raum, um ihre Ideen verwirklichen zu können, auch wenn dies Lehrenden mehr Geduld und Kraft abverlangt, als ein vorliegendes Konzept umzusetzen.

Bei der Beschäftigung mit aktuellen medienpädagogischen Fragen lassen sich die Medienscouts seit Jahren auch von außerschulischen Einrichtungen inspirieren. Erste Impulse kamen vor fünf Jahren mitten in der Corona-Epidemie vom Lehrstuhl für Medienkommunikation, Medienethik und Digitale Theologie der Universität Erlangen-Nürnberg. Außerdem engagieren sich die Medienscouts im Netzwerk des medienpädagogischen Zentrums „Connect“ Fürth. In der Jugendredaktion von ARD, ZDF und Deutschlandfunk, die jedes Jahr den Jugendmedientag vorbereitet, lernten die Medienscouts Methoden wie „Design Sprint“ kennen. „Design Sprint“ ist eine Methode, bei der ein Team in kurzer Zeit gemeinsam Lösungen für ein konkretes Problem entwickelt. Ziel ist es, schnell herauszufinden, was funktioniert, statt lange über mögliche Lösungen zu diskutieren.

Dass sich Schule nach außen öffnen darf und soll und – auf Einrichtungen trifft, die offen für junge Menschen und ihre Lehrerinnen und Lehrer sind, ist ein wertvoller Baustein für schulische Angebote wie die der Medienscouts. Denn auch das gehört zu den Erfahrungen einer gelebten Demokratie: Gemeinsam schafft man mehr als alleine. Danke an alle, die offen dafür sind!

*Herr Eichelsbacher ist zum Schuljahr 2026/2027 in Pension gegangen.

Portrait von Lehrerin Frau Feldrapp

Margita Feldrapp

Margita Feldrapp ist Studienrätin am Gymnasium Eckental und betreut das Wahlfach Medienscouts. Außerdem unterrichtet sie Studierende in den Bereichen Medienpädagogik und Journalismus am Lehrstuhl für Medienkommunikation, Medienethik und digitale Theologie der Universität Erlangen-Nürnberg. Zuvor war sie als Redakteurin bei Welt/N24 tätig.