Schulalltag Den Placeboeffekt für schulischen Erfolg nutzen

Mit dem Begriff „Placeboeffekt“  könnt ihr vielleicht erst einmal nichts anfangen, aber ihr habt ihn alle schon erlebt: Als ihr klein wart und hingefallen seid, konnten eure Eltern den Schmerz einfach wegpusten und mit tröstenden Worten die Tränen trocknen – auf einmal war der Schmerz so gut wie weg, oder? Das Pusten und der Trost waren das sogenannte „Placebo“, das ähnlich wie eine Schmerztablette wirkt. Das Wort „placebo“ kommt übrigens aus dem Lateinischen und heißt „Ich werde gefallen“.

Wie aber kann es sein, dass etwas wirkt, obwohl gar kein echtes Medikament im Spiel ist? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler schon seit Langem. In medizinischen Studien konnten sie nachweisen, dass Mittel ohne Wirkstoff oder sogenannte „Scheinbehandlungen“ die Beschwerden von Kranken häufig lindern können. Dabei hängt auch viel von der Erwartung der Patientin oder des Patienten an eine Behandlung ab. Ein Beispiel: Nehme ich eine Tablette, auf der „Aspirin“ steht, erwarte ich automatisch eine Linderung meiner Kopfschmerzen – das Pochen im Kopf lässt daher auch nach, selbst, wenn es sich bei der verabreichten Tablette nicht um eine „Aspirin“ handelt und überhaupt kein Wirkstoff enthalten ist. Das versteht man unter dem typischen „Placeboeffekt“​. Dieser kann aber auch ins Gegenteil verkehrt werden: Ist eine Behandlung (z. B. ein Besuch beim gefürchteten Zahnarzt) mit negativen Erwartungen („Das wird sicher wehtun“) verbunden, spricht man vom sogenannten „Noceboeffekt“ (lat. „Ich werde schaden“).

Was genau bei Placebo- und Noceboeffekten im Gehirn abläuft, versucht unter anderem ein Zusammenschluss von Forscherinnen und Forschern in Deutschland  herauszufinden. Das ist der Sonderforschungsbereich „Treatment Expectation“ (Behandlungserwartung). Noch gibt es sehr viele offene Fragen zum Placeboeffekt, zum Beispiel, warum er nicht bei allen Menschen gleichermaßen funktioniert. Man weiß aber bereits, dass dieser nicht ausschließlich in der Medizin auftritt. Und hier kommt nun der schulische Erfolg ins Spiel. Wie ihr gleich lesen werdet, hat der nämlich auch nicht selten etwas mit diesem Placeboeffekt zu tun!

Ganz konkret lässt sich der Placeboeffekt nutzen, wenn Stress, Anspannung, Sorgen, schlechte Stimmung und Müdigkeit die Zeit vor wichtigen Prüfungen oder Referaten prägen. Ein Experiment mit Studierenden hat gezeigt, dass diejenige Gruppe mit deutlich weniger Anspannung in eine Prüfung ging, die zuvor drei Wochen lang zweimal täglich eine substanzfreie Kapsel – eine Zuckerpille – geschluckt hatte. Die Teilnehmenden wussten, dass sie nur Zucker zu sich nahmen, aber das tägliche Ritual führte zu einer positiven Erwartungshaltung in Bezug auf die kommende Prüfung und trug zur Stressreduzierung bei. 

Bild: Schüler ist von Stimulanzien umgeben, die Lernerfolg beeinflussen
Placebos sind ungemein flexibel und können unterschiedliche Formen annehmen ©Treatment Expectation

Der Placeboeffekt für entspanntes Lernen klappt aber auch ganz ohne Kapseln: Sport kann dabei helfen, Stress abzubauen. Auch Musikhören, Skateboard fahren, im Wald herumtoben oder andere Rituale, die mit positiven Erfahrungen verbunden sind, können sich auf den Lernerfolg auswirken. Unser Gehirn schüttet dann nämlich Botenstoffe (sogenannte Neurotransmitter) aus, die Schmerzen dämpfen und das Belohnungszentrum aktivieren, wenn wir etwas Schönes erleben. Versucht es ruhig einmal selbst!  

Ein gutes Verhältnis zwischen Lehrkräften und der Schülerschaft kann ebenfalls wie ein Placebo wirken. Wer oft gelobt wird, hat Freude am Lernen, strengt sich eher an und bringt tatsächlich gute Leistungen in der Zukunft. Umgekehrt gilt aber auch: Wer viel kritisiert wird, traut sich immer weniger zu, verliert die Lust und wird in der Folge schlechter in der Schule.

Auch Erwartungen an euch selbst können wie eine Art Placebo wirken. Die Wissenschaft spricht hier von der „Selbstwirksamkeit“. Vertraut man auf die eigenen Fähigkeiten, kommt auch mit Rückschlägen klar und meistert sämtliche Herausforderungen.